Gerd Wolters verstorben

Die ehemaligen Essener und die Mitarbeiter des Gartenbauzentrums trauern um Herrn Gerhard Wolters, der am 03.04.2009, knapp sechs Wochen vor Vollendung des 80. Lebensjahres, starb.
Herr Wolters, der mit seinem unverwechselbaren Klever Akzent die Liebe zu seiner Heimat auch in dieser Weise ausdrückte, lernte in den letzten Kriegsjahren den Gärtnerberuf. Nach dem zweiten Weltkrieg machte er die sog. Wanderjahre und fand letztlich in der Schweiz eine Anstellung. Die Be- und Verarbeitung von Natursteinmaterialien gingen ihm hier in Fleisch und Blut über. Dem guten Ruf der Schule folgend, bewarb er sich für das Fachschuljahr 1954/1955 um einen Fachschulplatz in Essen. Eigentlich war die Anmeldefrist schon abgelaufen. So griff er, wie er gerne erzählte, zu einem kleinen Trick. Er wusste, dass der damalige Schuldirektor Schillings, dessen menschliche, fachliche und pädagogische Qualifikationen er im Fachschuljahr kennen und schätzen lernte, als Hobby das Briefmarkensammeln hatte. Also versah er seinen Anmeldeumschlag mit einer Vielzahl bunter Schweizer Briefmarken. Die Taktik ging auf – Gerd Wolters wurde in Essen als Fachschüler angenommen. Nach der erfolgreichen Meisterprüfung kehrte er zurück in seine Klever Heimat und fand nach einigen Jahren Anstellung bei der Stadt Kleve. Jahrzehnte war Gerd Wolters der gärtnerische Fachmann in der Klever Stadtverwaltung. Im Forstgarten wohnend engagierte er sich insbesondere für die Wiederherstellung der Gartenanlagen am Spoy-Kanal des Prinzen Moritz von Nassau, der nach den Erbfolgekriegen im Großherzogtum Kleve der Stadthalter des preußischen Königs war.
Bis zu seinem Tod arbeitete Gerd Wolters als Stadtführer in Kleve und konnte bei seinen Führungen stets die höchsten Teilnehmerzahlen verzeichnen. Nach Essen kehrte Herr Wolters zunächst als Mitglied der Prüfungskommission für die Abschlussprüfungen, schließlich auch der Prüfungskommission für die Abnahme der Meisterprüfungen zurück. Gut zwei Jahrzehnte war er Vorsitzender der Meisterprüfungskommission. Er hatte insbesondere nach der rechtlichen Neuordnung dieser Prüfung die Umsetzung in die Praxis in der Konzeption und Durchführung zu verantworten. Zu vielen berufsständischen Themen wusste er in Versammlungen und Sitzungen sein Wort zu machen und war so auch geschätzter Gesprächspartner des Kreisverbands Kleve wie auch des Fachverbands Rheinischer Friedhofsgärtner. Berufliche Höhepunkte auch für ihn selber war die jährliche Schuljahresabschlussfeier unserer Fachschule in der Konzertmuschel des GRUGA-Parks. Mit ausgefeilten Ansprachen überzeugte er nicht nur die jungen Absolventinnen und Absolventen, sondern auch die Ehrengäste. Unvergessen ist, wie ihm vor drei Jahren der nordrhein-westfälische Landwirtschafts- und Umweltminister Eckhard Uhlenberg von Rednerpult aus für seine 25-jährige Tätigkeit im Meisterprüfungsausschuss dankte und ihm persönlich einen Blumenstrauß überreichte. Unvergessen sind aber auch die vielen menschlichen Hilfen, die er im Vorfeld und während der Prüfung den nervösen Prüflingen und neuen Prüfern gab.
„Papa Wolters“, wo wurde er im Hause genannt, dies charakterisiert die väterliche Rolle, die er im berufsständischen Alltag gerne annahm und mit größtem Erfolg ausführte. Auch dem Verfasser gab er so manchen dankenswerten Hinweis, um Abläufe und Rahmenbedingungen zu optimieren.
In Anerkennung seiner langjährigen verdienstvollen Tätigkeit für die Landwirtschaftskammer Rheinland, dann Landwirtschaftskammer NRW, verlieh ihm der Präsident der Landwirtschaftskammer, Herr Johannes Frizen, vor drei Jahren anlässlich des Goldjubiläums der Meisterprüfung die Bronzene Plakette der Landwirtschaftskammer NRW für sein segensreiches Wirken.
Im Spätsommer 2008 veranstalteten die am Friedhof tätigen Gewerke zusammen mit der Stadt Kleve auf Initiative und in Regie von Herrn Gerd Wolters erstmalig einen „Tag des Friedhofs“ aus Anlass des 100-jährigen Bestehens des Klever Hauptfriedhofs. Mit viel Geduld und Nerven brachte er die widerstrebenden Interessen in diesem Arbeitsbereich an einen Tisch und organisierte eine bestbesuchte, hervorragend gelungene Veranstaltung.
Gerd Wolters starb am 3. April auf dem Friedhof bei der Ausführung von Grabpflege und Wechselbepflanzung auf den Gräbern der Familie.
Alle Ehemaligen und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gartenbauzentrums Essen werden Herrn Wolters stets ein besonders ehrendes Gedenken bewahren.
Dr. Kerstjens




